James Wines und SITE: Retrospektive 1970–2020

28.11.2020 – 25.07.2021
Museum für Architekturzeichnung, Berlin

Die Ausstellung präsentiert rund 60 gezeichnete Werke des Künstlers und Architekten James Wines (*1932), der sich bereits in den 1980er Jahren mit „grüner“ Architektur beschäftigt hat – in einer Zeit, in der Begriffe wie Klimawandel, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien oder der menschliche Maßstab in der Welt des Bauens noch nicht so eine zentrale Bedeutung hatten wie heute. Schon damals ging es James Wines beim Gestalten darum, die zeitgenössische Kunst und insbesondere die Bildhauerei, oft unter gesellschaftskritischen Gesichtspunkten, mit der Architektur zu verbinden. So entstanden seine bekanntesten Werke für sein Architekturbüro SITE (Sculpture in the Environment), darunter die Filialen der BEST-Stores und Ghost Parking Lot. Das Leitthema der Ausstellung ist „Context as Content“ – der Bezug auf den räumlichen wie inhaltlichen Kontext ist ein Hauptanliegen der gesamten Arbeit von SITE. So sind die BEST-Stores beispielsweise inspiriert von der Wegwerfkultur und den schachtelförmigen Einkaufszentren sowie der allgemeinen Billigung ihrer Allgegenwart. Die Einbeziehung einer unterschwelligen Akzeptanz der alltäglichen Materialität eröffnete die Möglichkeit, Kunst dort einzusetzen, wo das Publikum sie am wenigsten erwartete – in diesem Fall entlang sich endlos erstreckender Highways mit Geschäften. Vor dem Eingriff von SITE in das Straßenbild wurden diese Strukturen nie als etwas anderes als unscheinbare Orte für Einkäufe betrachtet. Die Aufnahme der Banalität des Supermarktes als Rohstoff für die Transformation eröffnete eine Vielzahl von nicht-formalistischen Interpretationen: die Einbeziehung der instinktiven Reaktionen der Menschen auf alltägliche Orte als Interpretationsquelle für Kunst im öffentlichen Raum; die Verwendung der Architektur selbst als Gegenstand der Kunst (und nicht als Ziel eines konventionellen Entwurfsprozesses); die Interpretation von Gebäuden als Kritik an sich selbst; die Verschmelzung von Landschaft und Architektur, bei der es oft schwierig wird, zu erkennen, wo das eine beginnt und das andere endet; die Einfügung von sozial, psychologisch und physisch aktivierenden „Auslöseelementen“ in Parks, auf Plätzen und Gärten, die die Fußgänger zur Interaktion miteinander und mit ihrer unmittelbaren Umgebung anregen.

Viele gezeichnete Werke von James Wines, wie Highrise of Homes und Ghost Parking Lot, befinden sich heute in namhaften musealen Sammlungen, unter anderem im Museum of Modern Arts in New York und im San Francisco Museum of Modern Art. Der Künstler lebt und arbeitet in New York.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Grußwort von James Wines

Grußwort von Nadejda Bartels, Kuratorin der Ausstellung

Abb.: World Ecology Pavilion – Expo ‘92*, 1990, Aquarell auf Papier , 38,10 x 60,96 cm  © James Wines

* Mit diesem Pavillon der Expo 92 sollte die Teilnahme aller Nationen an der internationalen Umweltinitiative gefeiert werden. Es entstand als Beitrag zum Expo-Thema „Entdeckung“ und ist als Mikrokosmos der typischen Landschaften und Gelände, die mit den sieben Kontinenten assoziiert werden. Es besteht aus einer Reihe paralleler, bandförmiger Strukturen, die als grüne Vordächer, Einfriedungen für Ausstellungen, schattenspendende Abdeckung für einen Platz und eine akustische Bandhülle über einem Freilufttheater dienen. Die Ausstellungen in den Innenräumen zeigen verschiedene Kontexte, in denen sich die Besucher sowohl mit der Erdoberfläche als auch mit der Geologie im Inneren der Erde beschäftigen können.

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IMPRINT OF THE FUTURE. DESTINY OF PIRANESI`S CITY. Exhibition and research by Sergei Tchoban

15.10.2020 - 31.05.2021
Istituto Centrale per la Grafica, Rom

Das Istituto Centrale per la Grafica in Rom und das Museum für Architekturzeichnung in Berlin präsentieren eine Ausstellung des Architekten und Zeichners Sergei Tchoban. Als gebürtiger St. Petersburger, der die Harmonie der Proportionalität und Ähnlichkeit dieser Stadt von Kindheit an mit allen Sinnen aufgenommen hat, war Sergei Tchoban immer bestrebt, die Gesetze zu verstehen, welche die Entwicklung einer Stadt wie St. Petersburg und die großen europäischen Vorbilder, nach denen die Zarenstadt entstanden ist, leiten. Ist es möglich, die herausragende Qualität dieser Städte zu erhalten? Ist es in Anbetracht des derzeitigen Entwicklungsstandes der Architektur auch heute möglich, diese Qualität zu bewahren? Dies sind die zentralen Fragen, die von der aktuellen Ausstellung anlässlich des 300. Jahrestages der Geburt von Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) aufgegriffen werden. Piranesi, einem der größten Künstler seiner Zeit, gelang es, die Entwicklung der europäischen Stadt als Phänomen einzufangen, die trotz ihrer vielen architektonischen Schichten und inneren Widersprüchen eine Harmonie ausstrahlt.

Bevor das Prinzip des Kontrasts, das notwendigerweise mit dem technologischen Fortschritt einherging, für die Architekturästhetik des 20. Jahrhunderts richtungsweisend wurde, bestand ein relativ homogenes und folglich kohärentes Bild der europäischen Stadt – worin sich möglicherweise begründet, dass historische Städte, die vor dem 20. Jahrhundert entstanden sind, a priori als harmonische Ensembles und in ihren Erscheinungsformen als Meisterwerke wahrgenommen werden. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich grundlegend neue Möglichkeiten in der Architektursprache. Die Einführung neuer architektonischer Schichten in das Stadtgefüge läutete daher einen besonders dramatischen Prozess ein. Doch geht dieser Prozess tatsächlich mit der Zerstörung eines Meisterwerks einher? Wird die Harmonie zerstört oder eine grundlegend neue Art von Harmonie geschaffen? Dies ist eine entscheidende Frage, die sich für die derzeitige Ausstellung (und beinahe alle europäischen Städte der Gegenwart) stellt. Sergei Tchoban versucht diese Frage anhand von Architekturzeichnungen zu analysieren und – äußerst ausdrucksstark – zu beantworten.

Zur Ausstellung ist eine Publikation in englischer und italienischer Sprache erschienen.

Istituto Centrale per la Grafica
Via della Stamperia 6
00187 Rom

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